Kommunen stellen die bürgernächste Ebene dar, denn hier kommen sämtliche Bedürfnisse von Einzelpersonen, Familien, Schulen, Vereinen, Organisationen und von Unternehmen zusammen. Sie sind Träger*innen der kommunalen Selbstverwaltung und damit per se dem Gemeinwohl verpflichtet. Damit haben Kommunen die Belange von Mensch, Umwelt, Natur, Politik und Wirtschaft zu berücksichtigen. Mit ihrer Verwaltung und den Eigenbetrieben ist die Stadt Jena demnach sowohl wirtschaftliche Akteurin, als auch gleichzeitig an der Mitgestaltung von Regeln und Gesetzen für das Gemeinweisen beteiligt.

Das politische Gemeinwesen der Stadt kann nur effektiv funktionieren, wenn es Klarheit über seine Ziele und Ausrichtung hat. Wir wollen, dass die „ethische Performance“ aller wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt analysiert und für die Bürger*innen transparent gemacht wird. Ebenso soll eine Bewertung erfolgen, wie Handlungsspielräume zur Schaffung gemeinwohlfördernder Rahmenbedingungen genutzt werden.

Die Stadt muss als Vorbild für Unternehmen, Vereine und sonstige Institutionen fungieren, indem sie sich zu klaren Werten bekennt und die eigene Verwaltung sowie die städtischen Eigenbetriebe entsprechend ausrichtet und bewertet (einen Rahmen dafür könnte z.B. die Gemeinwohl-Ökonomie darstellen). Damit wird klar dokumentiert, dass sie den Erfolg ihres Verwaltungshandelns nicht primär an finanziellen, sondern in gleicher Weise auch an sozialen und ökologischen Kennziffern ausrichtet und nachweisbar belegt. Daraus würde eine Vorreiterrolle für alle übrigen, vor allem auch privatwirtschaftlichen Betriebe vor Ort resultieren.

Normalerweise werden die Rahmenbedingungen in einer Stadt von Fachleuten in der Kommunalverwaltung ausgearbeitet und vom zuständigen politischen Gremium verabschiedet. Dies trifft besonders auf Satzungen und Vergabeprinzipien zu. Wir fordern, dass die Bürger*innen als Souverän in die Definition dieser Rahmenbedingungen einbezogen werden. In einem partizipativen Prozess wollen wir als Bürger*innen Jenas die für uns wichtigen Bestandteile von „einem guten Leben für alle“ definieren und in einem klar nachvollziehbaren und messbaren Index abbilden. Ein daraus entstehender „Kommunaler Gemeinwohl-Index“ kann dabei als Kompass für die Ausrichtung der kommunalpolitischen Ziele und die Bewertung kommunaler Maßnahmen dienen.